Geburtshaus „Von Anfang an“

DIE Anlaufstelle für Frauen, um sich ein Netzwerk an Unterstützung für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit (vielleicht auch Jahre) danach aufzubauen.

Vier Hebammen und ein breites Angebot. Allein der Name steht für die Hauptaufgabe des Vereins, nämlich einen Ort für Frauen, um ihr Kind zur Welt zur bekommen. Hier gibt es warmherzige und fachlich kompetente Begleitung. Zweimal im Monat findet ein Informationsabend statt, bei dem eine der Hebammen erzählt, wie Geburten hier ablaufen. Alle vier Hebammen sind außerdem Wahlhebammen im nahegelegenen St. Josef Krankenhaus und raten zu einer ehestmöglichen Anmeldung, sollte doch ärztliche Begleitung notwendig sein.

Ich komme erst über meiner Hebamme ins Geburtshaus „Von Anfang an“ in Wien, Hietzing. Rotraud wird mir von einer bereits pensionierten Hebamme empfohlen. Schon beim ersten Telefonat habe ich das Gefühl, bei der richtigen Person gelandet zu sein. Ich wünsche mir eine möglichst natürliche Geburt, wenn möglich zu Hause.

Ständige Erreichbarkeit in der Schwangerschaft

Zu unserem ersten Kennenlernen lädt sie meinen Freund und mich ins Geburtshaus nach Hietzing ein. Es ist Winter. Die Schuhe werden im Vorraum ausgezogen, dann geht es an Toilette und einem Mehrzweckraum vorbei in die Küche, wo wir etwa eine Stunde zusammen sitzen. Rotraud notiert sich die wichtigsten Eckdaten. Vor allem reden wir. Dann zeigt sie uns die Räumlichkeiten: den Geburtenraum und den zweiten, sollte es einmal eng werden. Die Farben sind in sattem rot-orange gehalten – energetisch soll das der gebährenden Frau Kraft geben. Im Geburtsraum steht eine große Badewanne. Wie die Frau am Ende gebärt, steht jeder frei – oft kommt es ohnehin anders, als wir uns das vornehmen. Bei mir ist es am Ende der Geburtshocker, den Rotraud auch bei Hausgeburten dabei hat.

Von diesem Tag an ist das „rote Telefon“ offen. Ich kann mich jederzeit bei Rotraud melden, sollte ich Fragen haben, oder etwas nicht in Ordnung sein. Außerdem gibt es eine zweite Hebamme, die in den Wochen vorher meine Unterlagen bekommt, sollte mein Baby sich schon während Rotrauds Urlaub auf den Weg nach draußen machen oder wenn sie gerade mitten in einer anderen Geburt steckt. Man weiß es ja nie genau.

Sechs Monate nach unserem Kennenlernen sehen wir einander wieder. Ich bin um einiges runder und „schwangerer“ – sowohl körperlich als auch emotional und gedanklich. Wir sprechen vieles durch, denn bald ist sie auf Urlaub. Meine „Ersatzhebamme“ lerne ich dann eineinhalb Wochen später kennen. Sie leitet den Geburtsvorbereitungskurs.

Geburtsvorbereitungskurse

Die Kurse für die werdenden Eltern finden geblockt an einem Wochenende statt. Das finde ich sehr sympatisch, da wir uns so wirklich intensiv zwei Tage auf das, was uns bevorsteht, einlassen können. Ohne viel Hokus-Pokus werden uns die Fakten erklärt: wie geht es los; wie sind die unterschiedlichen Positionen, die wir einnehmen können; wie kann uns der Partner helfen; wie nicht; was wenn das Kind ein Sterngucker ist oder sich in Steißlage befindet; wie weiß ich, wann es tatsächlich losgeht… Sachlich ohne den Geburtsverlauf zu romantisieren erklärt Claudia, was uns ungefähr bevorstehen wird.

Akupunktur

In den Wochen vor dem errechneten Geburtstermin wird von vielen Seiten empfohlen, zur Akupunktur zu gehen. Das kann die Muttermundöffnung erleichtern und somit die Dauer der Wehen verringern. Im Geburtshaus gibt es jeden Dienstag Vormittag die Möglichkeit, vorbei zu kommen, und sich von einer der Hebammen die Nadeln setzen zu lassen. Ringsum sitzen die Frauen mit den dicken Bäuchen auf den Matratzen im Mehrzweckraum und warten 20 Minuten, das war’s dann auch schon wieder. Eine kostengünstige Variante für die Akupunktur und eine weitere Möglichkeit des Austauschs mit den Hebammen und anderen Hochschwangeren, von denen mir einige bereits aus dem Geburtsvorbereitungskurs bekannt sind. Da mein Kleiner sehr lang in Steißlage ist, wird auch hierfür akupunktiert. Und ich bekomme Tipps, was ich „tun“ kann; besser gesagt, wie ich mit Moxibustion und bestimmten Yoga-Übungen die Bauchdecke weichhalten kann, wodurch das Baby sich auch noch bei einer gewissen Größe leichter drehen kann. Wissenschaftlich nachweisen kann man natürlich nicht, ob all diese Dinge helfen, in meinem Fall dreht sich der kleine Lauser aber trotzdem noch in der 37. Woche. Die akupunktierende Hebamme freut sich riesig mit mir.

Geburt

Ich selbst entscheide mich bei dem letzten Gesprächstermin mit Rotraud zwar endgültig für die Hausgeburt, habe aber lang die Möglichkeit, doch im Geburtshaus zu gebähren erwogen. Ich kenne mittlerweile einige Frauen, deren Baby im Geburthaus gekommen ist, und sie alle waren darüber sehr glücklich.

Stillgruppe

Einmal wöchentlich gibt es am Vormittag eine Stillgruppe, wobei es hier vor allem darum geht, die Bedürfnisse der jungen Mütter zu stillen. Reihum werden Fragen gestellt, die Rotraud beantwortet – sollte sie an dem jeweiligen Tag durch eine Geburt verhindert sind, übernimmt eine andere Hebamme für sie. In der Mitte des Raums steht eine Kiste mit Spielsachen für die Krabbelbabys. Die Stillgruppe hat mir sehr geholfen, das Vertrauen in meine innere Stimme zu stärken. Der weitere regelmäßige Austausch mit Rotraud und der Gedanke, dass die Person, die ihn da aus mir herausgeholt hat, uns noch durch das erste Jahr begleitet, erfüllt mich immer wieder mit Dankbarkeit. Es ist etwas ganz besonderes. Die Kontakte mit den anderen Müttern werden teilweise intensiviert. Neue Freundschaften entstehen unter den Mamis. Ich kann mein Baby dabei beobachten, wie es von Woche zu Woche seine Umgebung intensiver wahrnimmt, irgendwann beginnt, auf die anderen Baby stärker zu reagieren, mit ihnen zu spielen und wie sie einander die Spielsachen wegnehmen.

Und übrigens: die Teilnahme an der Stillgruppe ist für jede Mami mit Baby möglich, nicht nur für solche, die mit einer Hebamme aus dem Geburtshaus entbunden haben. Das Gleiche gilt für den Geburtsvorbereitungskurs und das breite Angebot.

Ernährungsberatung

Angelika, eine TCM-Ernährungsberaterin, hält immer wieder Vorträge im Geburtshaus über die erste Beikost und die Grundlagen förderlicher Nahrung für Kinder sowie die ganze Familie. Sie bietet auch Einzelberatungen an. Einmal mache ich so eine und befolge für zwei Monate sehr streng ihre daraus resultierenden, plausiblen Ernährungsvorschläge. Es wirkt Wunder. Angelika gibt viele Tipps und Tricks, die ganz einfach zu befolgen sind. Ganz dogmatisch muss ich die TCM-Ernährung ja nicht befolgen, aber es sind gute Anstöße, an die ich mich immer wieder erinnere.

Link zu Angelikas Webseite „Zeit für Dolce Vita“

Weiteres

Spielgruppe, Yoga, … Das Angebot geht weiter. Alles nehme ich nicht in Anspruch. Denn auch die räumliche Entfernung spielt natürlich eine Rolle. Das Geburthaus ist in den fast zwei Jahren ein Andockpunkt für mich, von dem aus ein wichtiger Teil des Netzwerks ausgeht, das mich durch den Beginn meines Mutterseins trägt.

Link zum Geburthaus „Von Anfang an“

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