Babys 1. Zugfahrt

Kinderwagen und Wickelrucksack – mehr habe ich bei dieser ersten Zugfahrt mit Baby nicht dabei. Gottseidank, sonst wäre ich ziemlich überfordert.

Der Zug steht bereits am Bahnsteig am Hauptbahnhof Wien. Jemand hilft mir, den Kinderwagen die Stufen in den Waggon zu heben, dann suche ich einen Platz. Den unteren Teil des Wagens mit den Rädern verstaue ich bei der Gepäckablage. Den Kindersitz nehme ich mit und stelle ihn inklusive Baby neben mich. Der Kleine schaut interessiert umher. Das Licht im Railjet sorgt nicht gerade für angenehme Atmosphäre. Die Luft ist trocken, sehr trocken, und Baby bekommt bald Hunger. Just als ich stille, kommt der Schaffner zur Fahrkartenkontrolle. Netterweise verzichtet er darauf, die meine Vorteilskarte zu kontrollieren und ich muss das Stillen nicht unterbrechen. Baby wird müde, kann im Kindersitz aber nicht einschlafen. Gut, dass ich das Tragetuch mithabe. Doch auch darin kommt Baby kaum zur Ruhe. Er ist durch die vielen Eindrücke, das Licht und die interessanten Punkte an der Decke total überdreht. Mir wird heiß, und auch Baby beginnt zu schwitzen. Irgendwann schläft er endlich ein. Ich gehe wippend im Waggon auf und ab, denn sobald ich mich hinsetze, würde er aufwachen.

In Linz steigen wir um. Blöderweise bin ich in der Garnitur, die weiter entfernt ist vom Lift, und habe nur sechs Minuten Zeit zum Umsteigen. Bin Baby im Tragetuch schiebe ich den Kinderwagen durch den Speisewagen und die Business Class. Füße, die im Mittelgang stehen, bitte ich freundlich zur Seite und ärgere mich über mangelnde Hilfsbereitschaft der anderen Fahrgäste. Gerade, dass ich mich nicht dafür entschuldigen muss, dass ich einen Kinderwagen durch den Zug schiebe. Zwischendurch gibt es doch immer wieder ein verständliches und milde Lächelndes Gesicht für mich und mein Baby. Geschafft! Wir sind bei der vordersten Türe angekommen; d.h. ich muss beim Umsteigen nur eine Garnitur vorlaufen und erwische mit größerer Wahrscheinlichkeit den Anschlusszug. Immer wenn man es eilig hat, befindet sich der Aufzug in einem anderen Stockwerk und fährt noch dazu besonders langsam. Ich habe echt keine Lust, eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten.

Zum Glück geht sich alles aus. Ich bin froh, in meiner Prä-Mutterschaftszeit genug Erfahrung und Routine im Zugfahren gesammelt zu haben. Auch so ist diese erste Zugfahrt mit meinem kleinen Bündel nervenaufreibend und körperlich anstrengend. Ich habe mich immer als Mutter gesehen, die lässig, cool und routiniert mit ihrem Kind die Welt erkundet. Damit werde ich mir noch Zeit lassen. Nach weniger als zwei Monaten als Mama fehlt mir die erhoffte Coolness. Auch muss mein Baby die vielen Situationen erst kennenlernen. Dafür ist noch Zeit, sind wir doch beide gerade noch in der Kennenlernphase. Eins nach dem anderen!

Noch am selben Tag fahren wir wieder zurück nach Wien. Baby hat heute wenig geschlafen. Das Zugfahren macht es nicht unbedingt leichter. Er hat noch mehr Schwierigkeiten als sonst runterzufahren und die kleinen müden Äuglein zu schließen. Immerhin kapiere ich bei der Rückfahrt, warum im letzten Waggon zwei Türen fehlen: hier in den zwei Nischen sind die Kinderwagenabstellplätze! Ich beginne, mich mit dem ungeliebten Railjet zu versöhnen. Auch die ununterbrochene Berieselung von Thomas Brezinas Entdeckungen im Kinderkino nervt da weniger. Ich setze mich freiwillig daneben. Im Kinderwaggon steht es mir zu, dass die Leute mir mit meinem Baby helfen, finde ich! Tatsächlich. Andere Fahrgäste mit kleinen Kindern gratulieren mir – mein Baby sei mit 8 Wochen ja noch so frisch, da gehöre sich das noch. Und ja, das Tragetuch hieß bei ihnen Zaubertuch, da auch ihr mittlerweile vierjähriges Kind kaum anders einschlafen wollte. Das Verständnis tut gut. Ich werde ruhiger, und mit mir mein Baby, der erschöpft im Tragetuch fast den ganzen Weg bis vor die Haustüre schläft. Zu Hause angekommen bin ich froh, mich endlich hinlegen zu können. Wieder ein paar kleine Schritte geschafft im noch jungen Dasein als Mama!

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