Wie geht ein kinderfreundliches Leben?

Mamas Fortbildung geht weiter. Wieder eine Woche Montag bis Freitag von 9-17 Uhr mit einem 6 Monate alten Stillbaby. Diese Dinge sind essentiell: Organisation, Flexibilität und ein gutes Netzwerk. Denn gemeinsam ist alles möglich!

Die zweite intensive Kurswoche beginnt definitiv entspannter für mich. Ich weiß, dass Baby es gut ein paar Stunden ohne mich schafft. Und die Oma ist dieses Mal auch wieder im Einsatz.

Einzig blöd ist die Tatsache, dass Baby mittlerweile mobiler wird. Er dreht sich vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück, hebt den Po und dreht sich um die eigene Achse. Manchmal, wenn ich ihn am Boden liegen lasse und mich ein paar Sekunden von ihm abwende, liegt er auf einmal woanders, das Spielzeug weit weg von ihm. Mobilität ist ja ganz was tolles, allerding gibt es am Kursort diesmal keinen geeigneten Platz, an dem sich der Papa, Oma oder Tante entspannt mit ihm hinsetzen können, oder wo er ein bisschen am Boden rollen kann. Die Woche davor war ich für zwei Kurstage für ein Wahlfach in einem Büro, in dem es eine Sitzecke mit Teppich gab. Das war ideal. Ebenso der lange Gang zum Auf und Abschieben des Kinderwagens, damit Oma nicht hinaus in den Regen musste. Somit war es auch nicht so schlimm, dass es dort keinen Lift gab.

Baby-Kleinkind-Blase vs. die Welt der Erwachsenen

An was man mit kleinen Kindern alles denken muss! Wiederholt fällt mir auf, dass unsere Gesellschaft einfach wirklich nicht kinderfreundlich organisiert ist. Es gibt zwar Spielplätze und nette Kinderbetreuungseinrichtungen, aber ein Erwachsenenleben MIT Babys und Kleinkindern zu leben, ist außerhalb eines sehr begrenzten Mikrokosmos fast unmöglich. Ich will mich aber nicht nur auf Spielplätzen und in Kindercafés aufhalten. Das mag für manche Mütter wunderschön und eine Erfüllung sein – für mich nicht.

Daher bin ich dankbar, dass mir bei meiner Fortbildung so viel Wohlwollen entgegen kommt. Einmal nehme ich Baby mit in den Kursraum, da er gerade offensichtlich bei mir sein will und ich den spannenenden Inhalt nicht verpassen möchte. Kein Problem – weder für die anderen TeilnehmerInnen noch für die Vortragende. Im Gegenteil: ein paar Tage später gratuliert sie mir in einem Feedback-Mail sogar dazu, wie ich das ganze mit zwei kleinen Kindern unter drei schaffe. Zugegeben, es tut so unglaublich gut, das zu lesen. Eine schöne Bestätigung, denn ich zweifle in der Baby-Kleinkind-Blase in dieser Lebensphase doch immer wieder an mir und frage mich, wie andere Frauen es machen. Immer wieder habe ich ein bisschen Angst, den Anschluss an „das Leben da draußen“ zu verlieren.

All das wäre nicht möglich ohne die Unterstützung meines Umfeldes. Klar, ich muss diese Unterstützung einfordern und mich organisieren. Das fällt nicht immer leicht, denn ich will ja nicht lästig sein oder zu viel verlangen. Aber ich habe gelernt zu fragen. Die anderen können ja auch Nein sagen, wenn es nicht geht. Dann muss ich das eben akzeptieren. Meist sind es ohnehin unterstützende Jas oder es findet sich im gemeinsamen  Gespräch eine andere Lösung, die mir selbst nicht eingefallen wäre.

Kinder machen Freude

Und zwar nicht nur den Eltern. Ich hätte nicht gedacht, wie sehr sich die anderen TeilnehmerInnen freuen, mein Baby wiederzusehen. Er macht es ihnen aber auch einfach, denn wer ihn anlächelt, wird mit dem schönsten zahnlosen Grinser der Welt und fröhlichem Glucksen belont. Von den Vortragenden sagt niemand etwas, wenn ich hin und wieder für Stillpausen rausgehe. Die Oma freut sich, dass ihr Enkel sich jeden Tag mehr an sie gewöhnt und beim Papa wächst die Vorfreude auf seine Karenz. Ja, Kinder sind erfüllend und machen Freude, umso größere je mehr ich diese Freude mit anderen teile.

Die Mittagspausen sind etwas weniger entspannt. Das liegt weniger an Baby als daran, dass die divesen Lokale in der Wiener Innenstadt nicht für Kinderwägen oder Familien gedacht sind. Business and Politics. Heißes Wasser, um den Babybrei aufzuwärmen, bekommt man trotzdem überall. Und sogar eine Extraportion für den großen Hunger der stillenden Mutter.

Schlechtes Gewissen?

Ja, hab ich. Mein kleiner Großer ist diese Woche jeden Tag etwas länger bei der Tagesmutter, meist bis halb 4 oder auch ein bisschen länger. In der Früh mag er ab der Wochenhälfte nicht mehr wirklich raus aus der Wohnung. Mit dem Versprechen auf eine Fahrt mi der Straßenbahn und ähnlichen Tricks schaffe ich es. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass ich zu wenig Zeit mit ihm verbringe. Auch wenn ich weiß, dass es am Ende gut für alle Beteiligten ist, wenn Mama erfüllt und bereichert ist, sitzen gesellschaftliche Konstruktionen tief. In Österreich werden viele Kinder in dem Alter noch immer hauptsächlich von ihren Müttern betreut. Auch wenn ich für Auswahlmöglichkeiten plädoyiere und weiß, dass es meinem Kind nicht schaden wird, so will ein Teil von mir dem Anspruch der Übermutter gerecht werden. Auch wenn mir das gar nicht entspricht. Was fehlt sind echte Wahlmöglichkeiten und vielfältige Vorbilder – auch in den Medien – , damit sich Mütter von kleinen Kindern verstanden fühlen und die vielen Fragezeichen rund um die Art und Weise der Lebensgestaltung Antworten finden.

Yes, Baby!

Die Woche geht schnell vorbei. Ich bin voller Energie! Ein bisschen ist die intensiche Kurswoche wie Urlaub. Urlaub von meinen Kindern, die ich ein paar Tage weniger um mich habe. Dadurch ist mehr kreative Energie da. Ich sprühe vor Ideen und Freude auf deren Umsetzung – irgendwann mal. Denn am Wochenende danach bin ich fast nur für meine Kinder da und genieße es mehr als je zuvor, Mama zu sein.

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