Meine ersten Gehversuche allein mit 2 Kindern

… und dann waren’s zwei. Wie ich mit einem 2-jährigen und einem 2-Monate alten Baby außerhalb der eigenen vier Wände unterwegs bin? Hier ein erster Erfahrungsbericht.

Nach weniger als 22 Monaten bekommt Wutzibutz einen kleinen Bruder. Nach (emotionalen) Überforderungen im Wochenbett, das mit einem kleinen Sturkopf daneben weit weniger magisch und zauberhaft ist als das erste, beginnen die logistischen Herausforderungen des Alltags.

Doppelkinderwagen oder doch nicht?

Ich habe mich von Anfang an gegen einen Doppelkinderwagen entschieden. Warum? So lang werde ich das Ding hoffentlich nicht brauchen, dass sich die Investition auszahlt. Und er ist viel zu sperrig für meinen Geschmack. Wir wohnen im Altbau ohne Lift und haben im Souterrain einen (leicht feuchten) Abstellraum; d.h. das Fahrgestell des Kinderwagens kommt in den Keller, Babywanne oder Sitz werden zwei Stockwerke hochgetragen. Das lässt sich mit einem Einzelkinderwagen ganz gut bewältigen. Mit einem Doppelkinderwagen weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie das gehen sollte.

Außerdem sehe ich in der Stadt immer wieder viel zu viele zu große und übergewichtige Kinder, die von ihren Eltern im Buggy herumgeschoben werden. Es ist zugegeben leichter, mein Kind im Buggy festzuschnallen als ihm ständig hinterherzulaufen, aber ich denke langfristig. Wutzibutz ist extrem bewegungsfreudig. Er soll die Lust an der Bewegung nicht verlieren. Mein Partner und ich legen uns die Latte hier recht hoch und sind jedes Mal, wenn wir draußen sind am Stöhnen, vor allem in der derzeitigen Trotzphase, aber noch halten wir durch. Er nimmt überhaupt selten einen Buggy, wenn er mit Wutzibutz allein unterwegs ist. Ob das an seiner Latino-Herkunft liegt oder in seinem Naturell, weiß ich nicht. Jedenfalls freue ich mich immer wieder, wie Wutzibutz dadurch viel mehr herumlaufen kann als andere Kinder in der Stadt. Und ich sollte meinem Partner gegenüber viel öfter „Danke“ oder „Bravo“ sagen dafür, wie er mit ihm umgeht. Das fällt mir in der derzeitigen fordernden Phase allerdings recht schwer. Stattdessen fällt mir immer wieder auf, was ich nicht so toll an seinem Umgang mit Kindern finde… aber das ist ein anderes Thema und gehört in einen eigenen Beitrag.

Für das Unterwegssein mit den beiden gibt es unterschiedliche Beförderungsszenarien, die wir nach Lust, Laune und je nach dem, was wir vorhaben, variieren.

Szenario 1:

Baby im Tragetuch, Kleinkind im Buggy oder Kinderwagen mit Sitz. Der Vorteil: Das geht auch, wenn Mama allein mit beiden Kindern unterwegs ist. Zweitens muss niemand Wutzibutz hinterherlaufen; d.h. zumindest so lang bis er lautstark einige Minuten protestiert und unbedingt selber gehen will. Wenn ich allein mit den Kindern bin hilft nur festschnallen, ein Bilderbuch dabei haben, Kinderliegen singen, Keks essen oä. Der Nachteil: an heißen Sommertagen ist es nach ein bis allerhöchstens zwei Stunden zu heiß für den / die TrägerIn und das Baby, und wir brauchen eine Tragepause im Schatten.

Szenario 2:

Baby im Kinderwagen mit Babyschale, Kleinkind am Trittbrett. Der Vorteil: Geht ebenfalls mit Mama allein mit den beiden unterwegs ist. Ich kann mich ganz gut auch an heißen Sommertagen bewegen und habe beide Kinder direkt vor der Nase. Der Nachteil: es braucht derzeit jedes Mal einiges an Überredungskunst, damit Wutzibutz sich auch tatsächlich auf das Trittbrett stellt, und es funktioniert nicht für lange Strecken (in der derzeitigen Trotzphase funktioniert allerdings kaum etwas für lange Strecken).

Wutzibutz stellt sich nur aufs Trittbrett, wenn wir ohne Begleitung unterwegs sind. Er scheint genau zu kapieren, dass es unter diesen Umständen nicht anders geht und macht mit. Sobald eine weitere Person dabei ist, will er partout nicht aufs Brett, sondern will selber laufen oder getragen werden – er ist eben ein kleiner Schlaumeier.

Szenario 3a:

Baby im Tragetuch, Kleinkind an der Hand bzw. auf den Schultern. Der Vorteil: ich habe beide „im Griff“, im wahrsten Sinne des Wortes. Nachteil: eignet sich nur für kurze Strecken und braucht einiges an Nerven, wenn wir auf einer stark befahrenen Straße unterwegs sind und Kleinkind gerade selber gehen möchte, ohne mir die Hand zu geben. Auch, wenn es extrem heiß ist und Baby aus dem Tragetuch rausschauen möchte, wenn Kleinkind gleichzeitig auf meinen Schultern sitzend mit den Füßen ganz dicht neben seinem Köpfchen wackelt, heißt es aufpassen.

Szenario 3b:

Baby im Tragetuch, Kleinkind an der Leine. Ja, richtig: an der Leine. Ich habe mir kürzlich so ein Gehgeschirr für Wutzibutz gekauft. Wenn er sich weigert, mir die Hand zu geben, was soll ich denn sonst machen?! Außerdem ist es doch das Gleiche, ein Kind im Kinderwagen festzuschnallen, damit es sich nicht bewegt. Beim ersten Mal fand er das Gehgeschirr noch lustig. Die Leute auf der Mariahilferstraße hat es auch amüsiert, wie er da so neben seinem Papa an der Leine herlief. Beim zweiten Mal gab es zu Hause eine halbe Stunde Gebrüll und Geschrei. Er wollte partout den Gurt nicht anziehen. Wie das Ganze ausging, dazu gibt es dann noch einen eigenen Beitrag…

Fazit:

Das anstrengendste am Unterwegssein mit zwei so kleinen Kindern ist wahrscheinlich gar nicht unbedingt der logistische Aufwand sondern die altersbedingten Wutausbrüche meines 2-jährigen Kleinkindes zwischendurch und das Timing mit den Stillpausen für den 10 Wochen alten kleinen Bruder. Die emotionale Anspannung ist ständig da. Im Stiegenhaus, in der U-Bahn, im Aufzug, an der Kasse zum Schwimmbad, wo man auch mit kleinen Kindern ganz normal in der Schlange anstehen muss, beim Einkaufen im Supermarkt…

So denke ich mir in letzter Zeit immer wieder, dass unsere Gesellschaft einfach wirklich nicht nachwuchsfreundlich aufgebaut ist – vor allem in den Städten. Chapeau an dieser Stelle allen Eltern mehrerer Kinder! Wie es gelingt, Babies in unserer Welt zu Kleinkindern großzuziehen und weiter zu Schulkindern ist wahrlich ein emotionales und logistisches Meisterwerk. Einfacher war es vermutlich bei den Urvölkern, als genug Leute da waren, um die Kinder abwechselnd herumzutragen, und als der Bewegungsradius rund um ein Dorf herum ohnehin eingeschränkt war. Ich lebe allerdings im Heute und mitten in Wien, also heißt es kreativ bleiben, immer wieder dazwischen durchatmen und nur die Wege auf mich zu nehmen, die ich mit der mir zur Verfügung stehenden Kraft schaffe.

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