Schwanger – die Zweite

Schwangerschaft ist aufregend. Anstrengend. Ein Abenteuer. Magisch. Zu sehen, wie sich der Körper und gegen Ende hin emotional und mental alles an mir verändert faszinierend. Naturgewalt so hautnah zu erleben, ist ein Privileg – und ganz normal zugleich. Und: beim zweiten Mal ist alles anders.

In der zweiten Schwangerschaft ist für die Magie kaum noch Zeit. Ich fühle mich richtig routiniert und erfahren. Mein Körper kennt die Veränderungen. Außerdem bin ich mit meinem ersten Kind, das zum Zeitpunkt der Geburt seines Geschwisterchens gerade einmal 21 Monate alt sein wird, genug gefordert. Da bleibt wenig Zeit, einfach schwanger zu sein, wie das beim ersten Mal der Fall war. Die nächsten 9 Monate wird es immer wieder darum gehen, dass ich meiner Schwangerschaft Raum gebe und die beim ersten Mal so zauberhafte Magie der Vorbereitung aufs Muttersein zumindest in kurzen Augenblicken (vorwiegend beim Einschlafen) bewusst wahrnehme.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das 2. Kind da?

Ich bin 37 Jahre alt. Und ich wollte nie ein Einzelkind. Wutzibutz hat zwar einen Halbbruder; die beiden haben sich abgöttisch lieb. Aber Patchwork-Geschwister sind etwas anderes als solche, mit denen man sich jeden Tag zusammenraufen muss. Eine Woche nach dem ersten Geburtstag von Wutzibutz stille ich ab. Ich bin noch ziemlich in der Babyblase drinnen und frage mich, worauf ich lange warten soll. Meine Arbeit als Filmemacherin und Autorin läuft gerade in einem ganz guten Maß. Ich veröffentliche immer mehr, aber nicht so viel, dass eine Auszeit sich wie ein „Rückschlag“ anfühlen würde. Wenn es jetzt beruflich weiter bergauf geht, habe ich dann in ein oder zwei Jahren wirklich noch einmal Lust auf eine Rückkehr in die Babyblase? All diese Gedanken spielen eine große Rolle für mich in der Entscheidung, Nr. 2 gleich „nachzulegen“. Und natürlich die Tatsache, dass mein Mann ebenfalls unbedingt mehr Kinder möchte.

Was mir ganz besonders wichtig ist: ich möchte vor der nächsten Schwangerschaft meinen Körper ganz für mich haben. Das Bedürfnis danach ist stark. Und so ist es dann auch. Ich stille ab und werde etwa einen Monat später schwanger. Wenn mein Körper das Nächste gleich willkommen heißt, dann bin ich wohl wirklich bereit dazu und der Zeitpunkt passt.

Das 1. Trimester

Das 1. Trimester verläuft relativ unspektakulär. Wutzibutz hat gerade die Eingewöhnungsphase bei der Tagesmutter hinter sich und ich freue mich über die Stunden, die mir nun für meine freiberufliche Arbeit bleiben. Außerdem beziehe ich noch Kinderbetreuungsgeld; d.h. der finanzielle Druck hält sich in Grenzen. Ich bin wieder sehr müde und kann mich so glücklicherweise dazwischen genug ausruhen. Am Übergang zum 2. Trimester bin ich das erste Mal als Mutter zwei Nächte weg von zu Hause (siehe Beitrag „Mama über Nacht unterwegs“). Auch das ist eine wichtige Erfahrung für mich, bevor Nr. 2 kommt. Ich bin unglaublich kreativ und habe einen enormen Schaffensdrang. Der wird allerdings noch fast zum Fluch.

Das 2. Trimester

Angeblich ist das die beste Zeit der Schwangerschaft. Für mich dieses Mal definitiv nicht. In einem Monat bin ich dreimal krank. Mit einem eineinhalb-jährigen und schwanger gesund zu werden ist definitiv eine Herausforderung. Dazwischen wird Wutzibutz auch noch krank. Meine Abwehrkräfte sind völlig hinüber. Ich nehme sogar Antibiotika – und werde ein paar Tage später wieder krank. Schleim, Husten, Erschöpfung. Ich bin fertig. Dabei will ich meine Schwangerschaft einfach nur genießen! Und ich habe so viele Ideen und Projekte, die ich fertigstellen will! Diese gehen zu lassen, fällt mir besonders schwer. Bald steht ja wieder die nächste Pause bevor. Aber ich kann gar nicht anders. Gegen Ende des Winters kommt dann langsam meine Kraft zurück. Der Winter dauert in diesem Jahr allerdings sehr lange. Zum Glück passt der Lammfell-Mantel, den mir meine Mutter voriges Jahr vermacht hat, über den wachsenden Bauch. Mir selbst und Wutzibutz so viele Schichten anzuziehen ist allerdings auch mühsam. Meine gute Laune hält sich in Grenzen.

So wichtig wie meine beiden Nächte allein, weg von zu Hause, ist mir, endlich wieder einmal bzw. noch einmal Zeit mit meinem Partner als Paar zu verbringen. Aus der Idee mit dem Städtetrip ist durch die Zeit des Krankseins nichts geworden. An einem Freitag Vormittag fahren wir in die Therme und bleiben über Nacht – Wohltat für Körper, Geist, Seele und Beziehung (siehe Beitrag „Paarzeit“).

Irgendwann Ende März, buchstäblich von einem Tag auf den anderen, hält der Frühling Einzug – und das 3. Trimester.

Das 3. Trimester

Meine Kraft ist wieder da! Ich genieße den wachsenden Bauch und fühle mich in dieser Phase diesmal so viel stärker als in der ersten Schwangerschaft, schließlich muss ich immer wieder meinen Kleinen hochheben und herumtragen, ihm hinterherlaufen oder sonst irgendetwas erledigen. Im letzten Monat nehme ich sogar noch an einem Workshop teil, doch irgendwann ist Schluss mit Arbeiten. Der Kopf spielt nicht mehr mit. Dadurch dass der Nestbautrieb diesmal recht spät einsetzt, ist noch einmal recht viel zu erledigen. Ob es tatsächlich notwendig ist, das Wohnzimmer auszumalen und ein neues Bett zu kaufen, sei dahingestellt. Als alles fertig ist, bin ich definitiv erleichtert – und endlich entspannt!

Nur das verdammte Sodbrennen macht mir zu schaffen! Es ist noch schlimmer als in der ersten Schwangerschaft. Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin will ich einfach nicht mehr. Es geht bereits in der Früh los und ist einfach nur ekelhaft! Wann ist es endlich vorbei?! Dazwischen haben immer wieder verschiedene Dinge geholfen: Homöopathie, Emser Pastillen… jetzt hört es gar nicht mehr auf. Bei der wöchentlichen Akupunktur im Geburtshaus in Wien Hietzing setzt meine Hebamme auch hiergegen Nadeln. Am Ende frage ich sie verzweifelt, was ich bei der Ernährung noch beachten kann. Die Antwort: möglichst basisch essen. Gesagt getan. Auf dem Heimweg finde ich eine Liste im Internet mit basischen Lebensmitteln. Für den Rest des Tages besteht mein Speiseplan hauptsächlich aus reichlich Wassermelone, hin und wieder einem Löffel Mandelmuß und dazwischen Emser Pastillen. Es wirkt! Die Lebensqualität steigt mit dem Wegfall des Sodbrennens erheblich – ebenso meine Laune.

Wutzibutz merkt langsam auch, dass eine große Veränderung bevorsteht, und braucht viel Aufmerksamkeit. Er ist ja noch klein! Insgesamt nehme ich 5 kg weniger zu als in der ersten Schwangerschaft. Bis zuletzt trage ich meinen kleinen Großen streckenweise auf den Schultern, wenn es die Senkwehen zulassen. Die sind viel heftiger als beim ersten Mal. Meine Hebamme meint, das sei ganz normal. Mit jedem Tag, den der errechnete Geburtstermin näher rückt, werden sie stärker. Vor allem am Nachmittag wird selbst der Gang in die Küche zum Marathon. Sie sind richtig schmerzhaft! Dieser Umstand sorgt dafür, dass ich mich in den letzten Tagen immer mehr in mein Nest zurückziehe – alles hat seinen Sinn.

In der ersten Schwangerschaft lag ich in den letzten Tagen immer am Pool in der Sonne, jetzt bringt mich kaum noch etwas aus der Wohnung. Die Zeitfenster, in denen ich mich wirklich ausruhen kann, sind als Mutter begrenzt. Ich versuche, sie so gut wie möglich zu nutzen, um für die bevorstehende Geburt noch einmal Kraft zu tanken.

Mit dem Warten auf das Einsetzen der Wehen habe ich (noch) kein Problem. Ich genieße es, Wutzibutz noch einmal die volle Aufmerksamkeit zu schenken, habe aber auch ein schlechtes Gewissen, dies bald nicht mehr tun zu können. Absurd, aber es ist da. Wie wird das sein, mit zwei Kindern? Wie wird der Große damit umgehen, dass ich – vor allem im Wochenbett – nicht mehr zu seiner vollen Verfügung stehe? Viele Fragezeichen, auf die es bald Antworten gibt.

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