Die Tagesmutter

Ab wann gebe ich mein Kind (vor allem das erste) in Fremdbetreuung. Soll es in den Kindergarten oder zu einer Tagesmutter? Wie finde ich eine Tagesmutter? Und welche ist die richtige? Wie wird die Eingewöhnung verlaufen? Große Fragen, noch größere Entscheidungen.

Diese Entscheidungen muss jede Familie mit jedem Kind auf Neue für sich selbst treffen. Ich teile hier meine – bisher durchwegs positiven – Erfahrungen zum Thema Tagesmutter und schreibe über die Gedanken und Überlegungen, die am Ende zu den Entscheidungen geführt haben:

Als ich schwanger bin fragt mich eine Freundin beim gemeinsamen Spaziergang mit ihrer Tochter, die bereits laufen kann, ob wir uns denn schon nach Tagesmüttern umsehen. Die Frage verwirrt mich einigermaßen. Zunächst muss das Baby ja mal zur Welt kommen. Trotzdem bleibt das Thema im Hinterkopf. Ich rufe sogar bei einem privaten Kindergarten an, wo mir jedoch versichert wird, dass noch genug Zeit sei.

Mit derselben Freundin und ihrer Tochter treffe ich mich das nächste Mal, als Wutzibutz vier Monate alt ist. Ich habe noch immer keinen Kinderbetreuungsplatz. Derzeit ist ja noch überhaupt nicht daran zu denken! Er wird voll gestillt, wir haben uns gerade eingelebt, und doch: Wien ist zwar in Bezug auf Kinderbetreuungsplätze im österreichweiten Vergleich sehr gut aufgestellt, man sollte sich dennoch rechtzeitig nach Tagesmüttern oder Kindergärten umsehen – vor allem wenn man genaue Vorstellungen hat. Die Plätze sind begrenzt.

Die Suche

Für mich beginnt die Suche nach den Weihnachtsferien 2017. Bei den ersten Anrufen in den Kindergärten bekomme ich mit, dass es für Herbst 2017 ohnehin keine Plätze mehr gibt. Die werden anscheinend tatsächlich an noch ungeborene Babys vergeben! Parallel zu einem Betreuungsplatz ab Herbst suche ich also bereits einen Kindergarten für 2019. Das sollte doch möglich sein.

Ich habe in meiner Stillgruppe mitbekommen, dass Tagesmütter in Wien über Vereine wie die Kinderdrehscheibe, das Hilfswerk und die Volkshilfe vermittelt werden. Im Internet gibt es teilweise sogar recht ausführliche Listen. Die Kontaktnummern werden auf telefonische Anfrage per Mail gesendet. Dann heißt es durchtelefonieren und einen Kennenlerntermin ausmachen. Die Tagesmütter, mit denen ich spreche, sagen selbst alle, ich solle möglichst viele kennenlernen, um am Ende beruhigt die für mich und uns richtige Wahl zu treffen.

Die Entscheidung

Es wäre schön, wenn auch die zweite Muttersprache Spanisch von der Tagesmutter gesprochen wird, doch das rückt ganz schnell in den Hintergrund. Andere Faktoren werden am Ende wichtiger sein in unserer Entscheidung. Und Spanisch wird Wutzibutz trotzdem lernen.

Insgesamt besuche ich sechs Tagesmütter zu Hause. Von der ersten sind mein Partner und ich eher schockiert. Die anderen besuche ich allein. Die vorletzte war bereits im Vorfeld durch ihre Internetpräsentation meine Favoritin. Das bleibt sie auch bei unserem persönlichen Kennenlernen. Doch dann erzählt sie mir noch von einer Kollegin, die auch ganz in der Nähe ist und die, so weit sie wisse, auch im Herbst noch Plätze frei habe. Na gut, eine kann ich ja noch anrufen.

Am Ende wird es genau die! Wie es der Zufall so will, ist sie von allen auch mit Abstand am nächsten zu uns nach Hause. Allein brauche ich von Wohnungstür zu Wohnungstür gerade einmal fünf Minuten! Vor allem habe ich einfach ein wirklich gutes Gefühl bei ihr. Ihre Wohnung und die Spielecke sind zwar nicht am modernsten, aber es ihre einfühlsame Art mit den Kindern, die mich überzeugt. Sie scheint wirklich sehr gut auf die Kleinen und ihre Bedürfnisse einzugehen. Das ist schließlich das allerwichtigste, wo Wutzibutz doch gerade mal 13 Monate alt sein wird.

Die Eingewöhnung

Ich bin in den ersten Monaten zwar noch bzw. wieder in Karenz und löse den Papa ab, aber die meisten Tagesmütter haben die Plätze nun mal ab Herbst frei, wenn die Großen in den Kindergarten wechseln. Ich arbeite freiberuflich daneben und habe so wieder Zeit für meine Arbeit und vor allem: wir haben keinen Stress mit der Eingewöhnung. Wie  das neben einer regelmäßigen Arbeit funktionieren soll, dass ich mich dabei auch wohlfühle, weiß ich nicht.

Unsere Tagesmutter nimmt sich – und das schätze ich so an ihr – individuell sehr viel Zeit für die beiden neuen Kinder, die in der ersten Woche hintereinander kommen; d.h. um 8 Uhr komme ich mit Wutzibutz für eine Stunde zum gemeinsamen Spielen. Nach und nach trudeln die anderen zwei oder drei Kinder ein. Um kurz vor 9 gehen wir und das andere neue Kind kommt. Das läuft schon mal gut. Irgendwann bleibe ich im Nebenzimmer sitzen. Nach ein paar Tagen ist es dann so weit: ich gehe eine Runde einkaufen. 20 Minuten bin ich weg. Als ich wiederkomme, ist alles wunderbar. Das dehnen wir langsam auf eine Stunde aus, und nach zwei Wochen komme ich gar nicht mehr mit hinein in die Wohnung sondern bleibe im Vorzimmer.

Das Wichtigste für mich: es ist egal, wie lang die Eingewöhnung braucht. Da ich noch Kinderbetreuungsgeld beziehe und aktuell kein „wichtiges“ Projekt habe, kann ich mich ganz auf diese viel wichtigere Phase einlassen, entspannen, und Wutzibutz so viel Zeit geben, wie er braucht.

Unterstützung

In der dritten Woche dann bleibt mein kleiner Großer dann schon bis 11 Uhr. Die dritte Woche hat es in sich. Er mag es nicht, wenn ich gehe, und hat noch Probleme, so lang ohne Schlaf durchzuhalten. Beide neuen Buben tun sich in der dritten Woche schwer. Und ich auch. Es fällt mir nicht leicht, ihn weinen zu hören, wenn ich gehe, auch wenn das angeblich bei allen Kindern so ist. Ich brauche Unterstützung. Denn schlechtes Gewissen und das Gefühl, als Mutter nicht genug da zu sein, breiten sich aus. Bachblüten können nicht schaden – in diesem Fall Granatapfel. Ein paar für mich, ein paar für Wutzibutz. Die nehme ich von nun an immer, wenn es um das Thema „Abnabeln“ geht – für beide Seiten.

Worauf ich achte ist, wie er drauf ist, wenn ich ihn abhole. Ja, er ist müde, aber sein Gemütszustand ist gut. Er wirkt zufrieden und ausgeglichen. Manchmal döst er im Kinderwagen am Weg zum Spielplatz kurz weg und macht einen kleinen Power-Nap. Bei Schönwetter ist die Tagesmutter mit den Kindern die Zeit am Spielplatz. Ich packe ihn dann ins Tragetuch, wir verabschieden uns von den Kindern und gehen ab nach Hause. Entweder, er schläft schon auf meinem Rücken ein, oder aber er dreht zu Hause noch einmal richtig auf, bevor er dann um halb 1 in einen langen, tiefen Mittagsschlaf fällt.

Mittagessen und Mittagsschlaf

Wir lernen die Tagesmutter in den ersten Monaten immer besser kennen und sie uns. Irgendwann ist 11 Uhr kein Problem mehr und sie schlägt vor, dass Wutzibutz länger bleiben kann, wenn wir das möchten. Die zwei Schritte Mittagessen und Mittagsschlaf macht sie normalerweise auf einmal. Ich lasse das Tragetuch bei ihr, damit mein Kleiner etwas mit dem vertrauten Geruch zum Kuscheln hat. Es funktioniert ohne Probleme. Sie fragt vorher ganz genau, wie er einschläft, was er dazu braucht, wieviel Körperkontakt er gewohnt ist, etc. Wieder bin ich dankbar für ihr Einfühlungsvermögen und die Art, wie sie auf uns eingeht.

Bis Wutzibutz tatsächlich bei ihr zu Mittag isst, dauert es noch eine Weile. Anfangs ist er der erste, der am späten Vormittag einschläft. Auch das ist kein Problem. Er schläft einfach bereits, wenn die anderen Kinder noch essen. Es vergehen ein paar Monate und schließlich hält er ohne weiteres bis 12 Uhr durch. Meistens schläft er eineinhalb bis zwei Stunden. Um kurz nach zwei hole ich ihn ab, und dann wird zu Hause erst Mal gegessen.

Woran ich mich sehr schnell wieder gewöhne ist die Zeit, die ich am Vormittag habe. Auch die vergeht bald wieder schnell – fast zu schnell. Arbeiten, einkaufen und kochen… meine Prioritäten muss ich sehr genau setzen.

Sonstiges

Die Tagesmutter schafft sich im neuen Jahr zwei neue Katzen an, nachdem ihr alter Kater im Herbst gestorben ist. Die Kinder lieben die Katzen und lernen mit den Tieren einen achtsamen Umgang.

Was ich auch sehr an unserer Tagesmutter schätze ist, dass wir uns in medizinischen und gesundheitlichen Belangen gut austauschen können. Hier eine ähnliche Meinung zu haben, ist wichtig, gerade in den ersten Lebensjahren, wo sich so viel tut. Blaue Flecken und Kratzer sind fast an der Tagesordnung. Zahnen kann schonmal mühsam sein. Und die Nase läuft sowieso die meiste Zeit im Winter. Dass wir einander hier mit einer ähnlichen Einstellung begegnen, hilft sehr, wenn ich meinen Kleinen jeden Tag am Vormittag in ihrer Obhut weiß.

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2 Kommentare

  1. Hallo Margit!
    Wir kennen uns von der Stillgruppe. Mich würde noch zu deinem Tagesmutter-Beitrag interessieren, ob sie ihn in den Schlaf gehutscht hat oder ob Gabriel einfach so eingeschlafen ist…das Fremdschlafen stell ich mir am Schwierigsten für alle Beteiligten vor?!
    Fabian ist jetzt 9 Monate und ich möchte ihn im 2.Lj. irgendwann zur Tagesmutter geben.
    Btw, sehr nette Beiträge!
    Lg, Tina

    1. Hallo Tina!

      Wutzibutz war ca. 15 Monate alt, als er das erste Mal bei der Tagesmutter geschlafen hat; d.h. erstens ist da noch Zeit und zweitens: da zu Mittag einfach für alle Schlafenszeit ist (Gruppendynamik) und er durch das Spielen mit den anderen Kindern sowieso fertig ist, schläft er viel leichter von selbst ein als zu Hause. Bei der Tagesmutter gelten andere Regeln.
      Ich weiß, dass er einmal, beim Eingewöhnen, auf ihrem Arm eingeschlafen ist, weil er so fertig war – das hat er zu Hause bei mir schon ewig nicht mehr gemacht! Und zu Mittag hat sie sich anfangs neben ihn gesetzt und ihn gestreichelt. Ob er das jetzt noch bei ihr braucht, weiß ich gar nicht. Zu Hause schon eher 🙂 Die Einschlafsituation tagsüber hat sich vor allem um den ersten Geburtstag herum immer leichter gestaltet – da brauchst Du Dir jetzt noch keine Sorgen machen. Und an den Tagen, wo er mehr Körperkontakt braucht und getragen werden will (Zahnen, schlechte Nacht), da macht sie das auch mit ihm.

      Ich hoffe, das hilft Dir weiter! Und Danke für Deinen netten Kommentar zu den Beiträgen!

      Alles Liebe!

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