Vaterkarenz II: ein Resümee danach

Ein Rückblick auf drei bereichernde Monate Vaterkarenz. So schnell sind die drei Monate auch schon wieder um!

Bereits im ersten Monat von Papas Karenzzeit habe ich vieles geschrieben, was am Ende immer noch zutrifft und wie wir uns die Zeit aufteilen (siehe Beitrag „Vaterkarenz“ vom 19.Juni 2017). Dass es so gut klappen würde, habe ich nicht zu hoffen gewagt. Rückblickend ist es sicher von Vorteil für die beiden, dass die Vaterkarenz in die Sommermonate gefallen ist. Weniger Kleidung anzuziehen, weniger Kleidung zu schleppen macht die Sache einfacher. Im Sommer hat der große Bruder außerdem Ferien; d.h. die drei Männer verbringen viel Zeit miteinander, was auch die Beziehung der beiden Halbbrüder zueinander stärkt. Wutzibutz und sein Papa und manchmal auch der Große verbringen viel Zeit an der Alten Donau. Am Wasser kann der Kleine viel ohne Windel sein, was er sehr genießt. Er krabbelt durch die Gegend, bleibt aber zum Glück noch größtenteils auf der großen Decke. Wutzibutz ist eine Wasserratte und hat mit Papa seinen Heidenspaß, während ich die Vormittage und die Mittagszeit in einem hippen Coworking-Space verbringe. Einen Tag in der Woche bekommt Papa frei und ich gehe mit Wutzibutz zu unserem Stillgruppen-Sommertreff.

Ich genieße die Zeit, die ich für meine kreative Arbeit habe. Es ist ein gutes Gefühl, meinen Kleinen bei seinem Papa zu wissen. Ihre Beziehung zueinander vertieft sich. Es ist schön mitanzusehen, wie unser Baby beide Eltern als gleichwertige Vertrauenspersonen akzeptiert. Der einzige Mama-Bonus, der mir bleibt, ist tatsächlich nur noch das Stillen. Gegen Ende der Vaterkarenz fällt dann sogar das weg.

Zu Beginn der Monate beobachte ich mich dabei, wie ich mitdenke, ob Papa auch den Rucksack „richtig“ packt. Hat er genügend Windeln dabei? Essen? Wechselkleidung? Ist genug Milch zu Hause? Relativ rasch lasse ich auch hier los. Wenn irgendetwas fehlt, dann müssen sich die beiden das ausmachen. Es ist DIE Gelegenheit, dass sich Papa zuständig fühlt für die vielen kleinen täglichen Handgriffe. Aber ich muss Platz machen und ihm dafür Raum geben. Eine gute Übung, von der ich hoffentlich noch ein paar Monate oder Jahre profitieren werden.

Auch vom Alter her haben die beiden es gut erwischt: Wutzibutz ist zu Beginn der Vaterkarenz 10 Monate alt; d.h. die Zeit, die Papa mit ihm verbringt ist er 10 bis 13 Monate alt. Er krabbelt, kann aber gerade noch nicht laufen. Er kann schon recht deutlich mit Handzeichen artikulieren, wenn er Milch möchte, und wenn die Windel voll ist, merkt man es ihm an bzw. riecht man es. Kurzum: die Kommunikation mit dem Kleinen funktioniert schon ganz gut – nicht nur für die Mami.

An Papas erstem Arbeitstag muss dieser schon sehr früh aus dem Haus. Wutzibutz ist ganz verwirrt, ihn nirgendwo in der Wohnung zu finden. Zeitgleich beginnt die Eingewöhnung bei der Tagesmutter, was mir persönlich den erneuten „Rollentausch“ erleichtert. Ich habe mich wieder daran gewöhnt, fast jeden Tag einige Stunden für mich zu haben. Es fällt mir gar nicht so leicht, darauf nun wieder zu verzichten. Im Wochenbett konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass ich irgendwann wieder diese Zeit für mich brauchen würde. Jetzt werde ich richtig schlecht gelaunt, wenn das einmal ein paar Tage nicht geht; z.B. weil die Tagesmutter krank ist. Wutzibutz wird außerdem anhänglicher und verlangt nun oft deutlich nach mir. Der Papa als emotionale Stütze tritt in den Hintergrund. Zum Glück genießt er an den Wochenende und an den Nachmittagen die Familienzeit. Aber wieder: ich muss bewusst zurücktreten und den beiden Raum geben, um ihnen Platz für ihre Beziehung einzuräumen. Wie schnell habe ich das Gefühl, als Mama die einzige zu sein, die ihn richtig trösten kann.

Es ist schade, dass dem zweiten Elternteil nur drei Monate Kinderbetreuungsgeld zusteht, sonst könnte man in der Aufteilung der Karenzzeiten sicher noch kreativer sein. Immerhin gibt es die Möglichkeit der bezahlten Vaterkarenz in Österreich und ich bin dankbar, dass wir sie für unsere kleine Familie so gut nutzen konnte.

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