Laufen

Nach fast 2 Jahren schlüpfe ich am Sonntag Abend das erste Mal wieder in meine Laufschuhe. Mein Körper ist anders als vor der Schwangerschaft, aber er ist bereit!

Meine Mutter, eine Physio-Therapeutin, hat mich schon viele Jahre, bevor Kinder im Raum standen mit Geschichten über Gebärmuttersenkungen für das Thema sensibilisiert: Frauen sollten nach der Geburt eines Kindes mit Laufen und dem Heben schwerer Gegenstände warten, bis sich der Körper wieder rückgebildet hat, um Inkontinenz uä Problemen vorzubeugen. Nun ist es normalerweise so, dass es mich, wenn meine Mutter „links“ sagt wie ein Magnet nach rechts zieht. In diesem Fall blieb ich links, was heißen soll: ich ging weder während der Schwangerschaft laufen noch in den Monaten danach. Dabei gehe ich sehr gern Laufen. Es ist so praktisch! Ich brauche nichts außer ein Paar Schuhe und einen Sport-BH. Allerdings spürte ich bis vor kurzem bei jedem Schritt, den ich auf eine U-Bahn und Straßenbahn bisher zulief, wie meine ausgeleierten Mutterbänder herumschlänkerten. Mein Körper war einfach noch nicht so weit. Ich begnügte mich daher, wie geschrieben, mit Mountainbiken und Yoga. Und seit einem ausführlichen Gespräch zum Thema Beckenboden vor zwei Monaten mit meiner Hebamme mache ich wieder mehr Beckenboden-Training. Eigentlich ist es das einfachste der Welt: zusammen- bzw. hochziehen, hochziehen, hochziehn… und loslassen. Allerdings um einiges länger, da das Loslassen des Beckenbodens für den Körper einfach länger dauert. Das kann ich über den ganzen Tag verteilt immer wieder und überall machen. Und es sollte sich laut Hebamme nicht auf Rückbildung beschränken. Für Frauen UND für Männer (!!!) ist es wichtig, dies immer wieder zu trainieren. Ja sieh mal an! Wieder ein Tabu-Thema aufgespürt!

Klassische Rückbildungsgymnastik ist nichts für mich. Warum? Wahrscheinlich habe ich hier einfach nur Vorurteile, und bin allein von dem Wort „Rückbildungsgymnastik“ abgeschreckt. „Rückbildung“ allein geht noch. Also baue ich die kleinen Übungen seit vier oder fünf Wochen wieder vermehrt in meinem Tag ein. Und siehe da: meine Leistengegend wird straffer – nicht was die Muskulatur betrifft, sondern von innen heraus. So wie ich beim Yoga das sogenannte „Mula Bandha“ aktiviere, ziehe ich also immer wieder hoch, ziehe hoch, ziehe hoch… und lasse los…

Am Wochenende findet sich nicht wirklich die Zeit zum Mountainbiken, aber einen kleinen Waldlauf könnte ich schon wagen. Oder? Ja! Ich merke, es geht. Die Antwort auf die Frage, ob mein Beckenboden dafür bereit ist, kann nur ich selbst beantworten. Ich kenne meinen Körper und vertraue dem „Ja“ in mir. Ich wähle meine Lieblingslaufstrecke aus und gehe es langsam an. Baby schläft gerade noch, als ich von zu Hause weggehe. Nach einem weiteren Nachmittagsgewitter ist die Luft herrlich durchgeputzt. An einem wirklich guten Tag bin ich die Strecke schon in ca. 42 Minuten gelaufen. Das peile ich nicht an. Ich will den Lauf genießen, dazwischen auch mal gehen, und einfach schauen, wie sich der Körper anfühlt.

Groß! Ich komme mir so groß vor! Die ersten Meter sind richtig ungewohnt. Das Stück zum Wald hin geht blöderweise sehr steil bergauf. Ich lege gleich einmal eine Etappe Gehen ein. Beim Wald angekommen geht es im Laufschritt weiter. Herrlich! Aber doch ungewohnt. Meine Beckenknochen scheinen noch nicht ganz an ihre ursprüngliche Stelle zurückgewandert zu sein. Meine Frauenärztin hat mir einmal während der Schwangerschaft erklärt, dass sich der Durchmesser des Beckens um etwa 2 Zentimeter vergrößert! Das ist viel! Es dauert, bis alles wieder da ist, wo es vorher war, wenn es überhaupt dahin zurückgeht. Interessant empfinde ich meine Oberschenkel-Muskulatur. Es ist ein eigenartiges Ziehen an der inneren Vorderseite, eben so, als wäre ich jetzt anders gebaut und die Muskulatur ist noch nicht ganz nachgekommen. Erfahrungsgemäß ist es so, dass ich, wenn ich etwas zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mache, mich sehr komisch dabei fühle. Beim zweiten Mal geht es schon wieder fast wie gewohnt und beim dritten so, als wäre ich fast wieder in meiner alten Form. Der Körper erinnert sich, ich muss ihm nur die Zeit geben.

Für meinen gesamten Waldlauf brauche ich gerade einmal 50 Minuten – schneller als erwartet, und das ohne Anstrengung, Genuss pur! Ich bin überrascht und freue mich. Ohne Ehrgeiz aber mit Spaß an der Freude kommt eben oft mehr dabei heraus! Und mein Beckenboden? Der fühlt sich stabil an. Nichts sticht oder fällt innerlich unangenehm in meine Hüftgegend. Einfach ganz normal und unspektakulär. Als ich zurück nach Hause komme, winkt Baby bereits aus dem Fenster – und will gestillt werden. Dehnen muss ich später, dafür freut sich mein kleiner Wutzibutz so unglaublich, dass ich wieder da bin – und ich erst!

Jetzt mache ich weiterhin mehrmals täglich meine Übungen und bin gespannt auf meinen nächsten Lauf!

2 Kommentare

  1. Nun ist es normalerweise so, dass es mich, wenn meine Mutter „links“ sagt wie ein Magnet nach rechts zieht.

    Haha, wer kennt das nicht? ? Meine Mutter hat manchmal versucht, das Gegenteil von dem zu sagen, was sie eigentlich von mir wollte, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Letzteres auch passiert; ich bin ihr halt meistens drauf gekommen.
    Bin schon gespannt, wie das bei meinem Mädchen mal werden wird. ?

    1. Bei uns, wird alles ganz anders! Unsere Kinder werden IMMER dankbar sein für uns als Mütter und alles tun, was wir für gut und richtig empfinden… :-p

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